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+ 3 - 1 | § Leben und Arbeiten - ein Projekt

Ideen verwirklichen im Projekt

 Wir sind eine Projektgruppe, die sich von drinnen konstituierte und sich über das Thema < Vom LEBEN und ARBEITEN – mal anders > zusammenfand. Vielerseits besteht Interesse wie Neugier, und so hat sich bereits eine Außenwirkung entwickelt. Man fragt nach – un wir wollen auf diesem Weg das Spektrum von Anfragen und Antworten erweitern.

 Der Gedanke war: was wird wohl nach der Zeit hier in Tegel werden (?) ... wir wissen, dass sich das viele fragen, aber nur selten laut werden lassen. Doch hier wurde der Gedanke zur Idee; aus der sich ein Projekt entwickelte und nun ab Frühjahr '06 vor der Premiere, der Einführung in die Praxis, steht. Es ist begriffen worden, dass wir um TUN und nicht durch REDEN etwas bewirken können. D.h., nicht mehr nur den Alltag verwalten, sonder im Kontes von > Zukunft und Hoffnung < Akzente oder auch nur einen kleinen Beitrag für > Hilfe zur Selbsthilfe < zu leisten.

Kommen wir zur Projektvorstellung in Stichpunkten:

 –ein großes Areal an Grund und Boden steht zur Verfügung, worauf gelebt und gearbeitet werden kann;

–Essen und Trinken werden selbst erzeugt, u.a. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch- und Fischerzeugnisse;

–Wir haben einen Pflegedienst vorgesehen, der zur Vorbeugung von Krankheiten tätig wird und nicht erst dann zum Einsatz kommt wenn die Rekonvaleszenz Pflege und Heilung unumgänglich macht; I

–Kuren, wie mit Wasser, Heilerde, und Quellen gehören zum Programm.

–Es bietet sich auch Urlaub und Tourismus an;

–Wir arbeiten gegenwärtig an einem regenerativen Energieprogramm – eben nach Motto: Gedanken – Ideen – Projektentwicklung;

 Zur Zeit sind wir 3 Ex-Tegelianer und weitere 23 Teilnehmer, darunter Familien mit Kindern. Es könnten noch maximal 8 Familien in unserem Projekt Berücksichtigung finden ... deshalb ist rasches Reagieren notwendig. Jede Anfrage wird beantwortet und wir stehen allen vis a vis zur Detailbesprechung zur Verfügung.

 Freundlichst, RE-PRO

 (Bitte schreiben an kontakt@planet-tegel.de)


+ 10 - 10 | § Homor aus Tegel

Wie alt ist die JVA Tegel?

Immer wieder habe ich mit Leidensgenossen darüber gesprochen, wie alt wohl die JVA Tegel sein könnte. Baustil und -zustand sprechen für ein Alter von ca. 100 Jahren.

 Aus der Zeitschrift der CDU Tegel, Nr. 5/2005, wissen wir es nun genau. Baubeginn 1896 und Fertigstellung 1898. Alter somit 107 Jahre.

 Nichts desto Trotz bleibe ich bei meiner Ansicht, dass die Wurzeln der JVA Tegel bis ins 13. Jahrhundert zurück reichen müssen. In der Zeit schrieb Dante Aligheri, ein italienischer Dichter, den Satz: „Der Du hier eintrittst, lass alle Hoffnung fahren.“ Was kann er gemeint haben, wenn nicht die JVA Tegel.

Neues aus Tegalien  

An der Pforte zu Tegalien wurde ein Neugeborenes gefunden. Umgehend setzte man eine Untersuchungskommission ein um festzustellen, ob das Kind aus Tegalien ist. Bereits nach ca. einem Jahr legte die Kommission ihren Bericht vor, der zum Schluss kam: Das Kind stammt nicht aus Tegalien!

 Noch nie wurde in Tegalien etwas mit Lust und Liebe gemacht. Noch nie wurde etwas in neun Monaten fertig und noch nie wurde etwas produziert, was Hand und Fuss hat.

  Gualtieri Garcia


+ 7 - 9 | § Man kann es nichtmehr hören

Man kann es nicht mehr hören

 Man bekommt schon fast beklemmende Gefühle, wenn man die Zeitung liest oder im Fernsehen die Nachrichten sieht. Was wird uns dort gezeigt: Oskar reifes Polit Theater oder wie kann man das Volk für dumm verkaufen!

Oder ist es nur das Ablenken der eigenen Unfähigkeit? Dabei sind die Themen doch ganz einfach: Der Steuerzahler braucht Arbeit, damit er leben kann oder zur Zeit eher überleben! Die Sozialeinschnitte sollten noch mehr werden, den Ärmsten eines Landes, wo jede Partei das Wort „Christlich“ oder „Sozial“ in ihren Namen trägt, vertreten schon lange nicht mehr die Interessen des Volkes, eher die der Grossunternehmen, denen es lauft Bilanz gut geht. Nur sind diese wenigen nicht der Motor der Wirtschaft, das sind kleine Dienstleistungs- und Handwerksunternehmen. Es sind die kleinen, die die meisten Arbeitsplätze geschaffen haben.  Unterstützung? Gut zu wissen, dass sich die Agentur für Arbeit ein neues Logo machen liess. Für ein großes „A“, 100'000 Euro! Das hätte jedes Kind in der ersten Klasse machen können. Denn wie viele Jobs hätten damit in der realen Welt, also in der wo geschwitzt wird, geschaffen werden können? Dass es nun mit der europäischen Verfassung nicht geklappt hat, ist eine Politklatsche. Das französische und auch das holländische Volk hatte die Chance selbst zu bestimmen. Sie taten es und machten damit klar: Die Politiker haben bei allem etwas vergessen! Dass es Menschen sind, die sie wählen und für die sie Verantwortung tragen. Trotzdem muss es nach dem Willen gehen den die Menschen haben. Nicht der Wille eines oder mehrerer Politiker ist entscheidend.

Bleibt nur zu hoffen, dass auch Politiker aus Fehlern lernen und dass die Nachrichten besser werden.

 Frolo


+ 11 - 8 | § Theatertext

Theatertext

 Last but not least - Der „Lichtblick“ zeigte sich nicht auf dem semi professionellen Niveau der Aufführung. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass die Gefangenenzeitung im Frühsommer einen Raid (Überraschungsangriff) mit Durchsuchung und Beschlagnahme der Arbeitsmaterialien seitens der Anstalt auszustehen hatte.

 Trotzdem finden wir es nicht angemessen und faktisch unrichtig, wenn der „Lichtblick“ fehlende Vorabinformationen beklagt bzw. solche für das fehlende Interesse eines Grossteils der Knackis verantwortlich machen will.

Absurd, geradezu surreal, die Methode, dieser Vorwurf mit dem Hinweis auf den neuinstallierten aufBruch-Pressereferenten untermauern zu wollen, aber diesen eben nicht in Anspruch genommen zu haben.

Ein nachträglicher Bericht brachte ein schönes Lob für das aufBruchteam und seine Knackispieler. Kritik an der Anstalt, gewohnt, mokant und weinerlich, und die Besprechung des Stückes, wortwörtlich aus dem Presseheft abgeschrieben.

 Der „Lichtblick“ hatte in den Heften 1/04 und 2/3/04 ausführlich und wohlmeinend über aufBruch-Projekt in einem russischen Jugendgefängnis berichtet. Und die Knackileser auf die für Herbst geplante Arbeit hingewiesen. Im Heft 4/04 fand sich dann nur ein ganzseitiges Plakat mit einem Hinweis auf die letzten beiden Vorstellungen. Im Heft 5/04 mit Redaktionsschluss am 29.10. eine Doppelseite mit 2 Fotos. Darin die berechtigte Kritik an der Art, wie die Anstalt die Knackizuschauer zu- und abführen liess.

 Die Abschottung der Knackis von den Gästen war für diese ein Anschauungsunterricht über die Rohheit der Gefangenenbehandlung, aber so dilettantisch, dass ein Knacki seine Geliebte knutschen konnte.

Der direkte Vorwurf an aufBruch, das mangelnde Interesse der Knackis durch fehlende Infos mitverschuldet zu haben, ist wenigstens zwiespältig. Denn die zu späte und nicht umfassende Plakatierung (durch passiven Widerstand in den Häusern) kann nicht auf eine Stange gestellt werden mit der Praxis von aufBruch, nach den Chancen des Mod. Th. der Aufführung keine Beschreibung und Interpretation voran zu stellen. Keine Sonderbehandlung für Knackis - fraglich  auch, ob durch vorausgeschickte Inhaltangabe und Erklärung mehr oder weniger Knackis gekommen wären.

Der selbstgefällige und heuchlerische Vorwurf, trotz eines Presseagenten das Medium „Lichtblick“  „zu jedwelchen Vorabinformationenen“ nicht genutzt zu haben, ist gar zu billig und leicht erklärbar.

AufBruch wollte dem „Lichtblick“ keine Sonderbehandlung zugestehen. Das heißt, der „Lichtblick“ sollte wie die übrige Presse, frühestens zur 1. Haupt-Aufführung oder Generalprobe die Arbeit sehen können.

Diese Offenlegung der Fakten soll nicht dazu dienen, mit dem „Lichtblick“ in Wettbewerb zu treten, wer das bessere (oder gar einzige) Sprachrohr der Tegel-Knackis ist.

Aber den Gedanken des Theatermachens mit Gefangenen für Gefangene zu desavoieren, um sein (fragliches) Selbstverständis zu päppeln, können wir dem „Lichtblick“ nicht gestatten.

 Albert


+ 2 - 3 | § Endlich aufgeklärt

Endlich aufgeklärt

Kürzlich berichtete ein Mitstreiter aus der Literaturgruppe über die Postkontrolle, und dass der Beamte dabei nach Anstaltseigentum gesucht hätte.

Nun verschwindet in dem Betrieb, in dem ich arbeite, nahezu täglich Anstaltseigentum. Aschenbecher, Besteck, Zucker-, Salz- und Pfefferstreuer, Tischdecken, Tablett’s, Thermoskannen und man kann es kaum glauben, Toilettenpapier.

Als nun also der Literaturgruppenkamerad berichtete, wurden mir sofort alle Zusammenhänge klar. Da es natürlich gelegentlich auffällt, wenn ein Gefangener einen Aschenbecher, eine Tischdecke, ein Tablett oder einen Zuckersteuer mittels eines Standardbriefes aus der Anstalt zu schmuggeln versucht, wird der fragliche Gegenstand sodann von dem Beamten zwecks Beweissicherung eingezogen und in einem der Beamtenbüros eingelagert.

Somit ist nun aufgeklärt, warum fast alle Gegenstände, die bei uns verschwinden, über kurz oder lang eben in einem dieser Büros auftauchen.

Gualtieri Garcia



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