25 Februar '08 - 532 W - + 20 - 18
Eine Meinung zur Thematik "Organisierte Russenmafia in deutschen Haftanstalten"
Wie schon im "lichtblick", der Gefangenenzeitung der JVA Tegel, (Deutschlands grösster Knackizeitung) in der Ausgabe 3/07 zu lesen war, ist dies in der Tat ein sich auch hier entwickelndes bzw. über kurz oder lang zumindest zu befürchtendes Problem.
Anlass dieses Artikels ist nun aber der Bericht vom "Stern" (Dez.? 07), in dem von einer solchen Problematik insbesondere in Knästen Westdeutschlands und hier wieder explizit Bayerns die Rede war. Wenngleich diese Dinge hier in Tegel wohl längst noch nicht soweit "gediehen" zu sein scheinen, so besteht ein solches Problem zumindest in seinen Anfängen durchaus. Auch wir hier in der Internet-Gruppe hatten ja bereits über einen Fall berichtet, wo im Haus 1 Inhaftierten nach ihrem Sprecher das zum Besuch am Automaten Gekaufte bei der Rückkehr ins Haus abgeschwatzt wurde oder es gar versucht wurde, ihm abzuerpressen (Artikel "Begrüssung für Neue" von Matty) - Tabak, Kaffee u.a. .
Die Namensliste Beteiligter an solchen Vorgängen sich beginnender Organisierung einschlägiger Strukturen im Haus III scheint authentisch - freilich ist es immer wieder schwierig, so etwas aus einem anderen Haus heraus beurteilen zu wollen. Allzuschnell kann man zum einen der Gerüchteküche erliegen und dann etwas Falsches weitergeben. Zum andern stösst man aber auch immer wieder auf eine Mauer des Schweigens. Niemand aus der Szene selbst würde wohl darüber reden und die von solchen Dingen Betroffenen, die Opfer also, sind z.T. eingeschüchtert oder wollen (sei es auch nur um des lieben Friedens willen) darüber lieber gar nicht weiter reden.
Was bleibt, sind Mutmassungen - wo man in der Sache rasch auch mal falsch liegen kann. Dies soll jetzt keine blosse Ausrede sein, nur ist eben das Risiko, etwas Falsches zu behaupten, bei solchen Sachen naturgemäss ziemlich hoch und auch nicht ohne gewisse Brisanz. Letztlich unterliegen wir als Gruppe in der JVA Tegel und als Verein auch freiwillig den Grundsätzen publizistischer Arbeit und können und wollen nicht einfach so irgendetwas "auf Verdacht" einfach mal ins Internet stellen.
Wenn wie behauptet, die Anstalt solche Entwicklungen einfach nur in Abrede stellt ohne es eigentlich besser zu wissen bzw. zunächst zu prüfen, dann wird die ganze Kiste allerdings schwerwiegend - uns hier sitzen zu lassen mit Abzockern und mafiösen Bandentum trüge nur bei vielen noch mehr dazu bei, das angeknackste Vertrauen in die Justiz endgültig zu begraben. Und Erscheinungen, wie sie sich in einem sozialen Schmelstiegel, wie es der Knast nun mal auch ist, hier manifestieren, betreffen früher oder später ja auch die ganze Gesellschaft draussen. Es gilt - wehret den Anfängen! Auch wenn Problemdarstellung nach aussen hin wahrlich nicht die Stärke unsrer Justiz zu sein pflegt, so sollte sie sich doch besser einmal zuviel mit einem vermeintlichen Gespenst herumärgern, als sich im Nachhinein um dann vielleicht gar nicht mehr mögliche Schadensbegrenzung kümmern zu müssen. Und wenn an solchen Vorgängen mehr als nur gerüchtehalber etwas dran ist, dann hat die Vergangenheit oft genug gezeigt, dass an einem Skandal insbesondere das Verschweigenwollen das eigentlich Skandalöse ist. Und heraus kommt zu unguter Letzt ja dann doch weit mehr als gewünscht. Dann aber ist der Schaden für alle nur noch grösser.
Ingolf 16.2.2008